Was sind Ursachen für ein schlechtes Betriebsklima

Sie, Ihre Mitarbeiter und Kollegen verbringen einen erheblichen Teil ihres Lebens bei der Arbeit. Die Arbeit dient dabei der Befriedigung vielfältiger bewusster und unbewusster Anforderungen und Bedürfnisse. Die Sicherung des Lebensunterhalts und mögliche Karriereoptionen sind dabei die offensichtlichsten Bedürfnisse. Aber auch Bestätigung und Wertschätzung, der soziale Kontakt zu anderen Menschen sowie das Bedürfnis nach einem strukturierten Alltag, sind wesentliche Faktoren die uns motivieren jeden Tag zur Arbeit zu gehen. Viele dieser Bedürfnisse können jedoch nur in einem angenehmen Betriebsklima befriedigt werden. Gleichzeitig stellt die Befriedigung dieser Bedürfnisse auch die Voraussetzung für angenehmes Betriebsklima dar.

Fest steht, dass sich ein entspanntes und tolerantes Betriebsklima positiv auf die Motivation, das Arbeitsverhalten und die menschliche Psyche Ihrer Mitarbeiter auswirkt. Im Jahr 2015 hat eine Studie der Creditplus Bank herausgefunden, dass ein positives Betriebsklima eine größere Bedeutung für Arbeitnehmer hat, als Flexible Arbeitszeiten oder eine hohe Bezahlung. Eine Studie der AOK aus dem Jahr 2016 ergab, dass jeder vierte Befragte über schlechtes Betriebsklima klagt.

Das Wirtschaftslexikon Gabler definiert das Betriebsklima wie folgt:  „… die Qualität der sozialen Beziehungen innerhalb der Organisation und der diese prägenden Bedingungen, wie sie von der Belegschaft wahrgenommen werden und deren Verhalten prägen…“

Damit Sie selbst das Betriebsklima innerhalb Ihres Unternehmens ermitteln können, bieten zusätzlich zu diesem Artikel einen Fragebogen zum Download an.

Was sind Ursachen für ein schlechtes Betriebsklima?

Das Betriebsklima eines Unternehmens ist so individuell wie die Personen die dort angestellt sind. Hinzu kommt, dass es sich um ein subjektives Empfinden handelt, eine Situation kann aufgrund der persönlichen Bedürfnisse und Empfindungen von Menschen unterschiedlich wahrgenommen werden. Die Ursachen für ein schlechtes Betriebsklima sind jedoch oft ähnlich und hängen in der Regel mit einer unzureichenden Kommunikationskultur zusammen. Das Betriebsklima hat direkten Einfluss auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens und sollte daher sehr ernst genommen werden.

Unzureichende Kommunikation

Offene und eindeutig Kommunikation sind der Schlüssel zu einer funktionierenden sozialen Interaktion. Ist dies nicht der Fall kommt es zu Missverständnissen, Fehlern und unausgesprochenen Konflikten. Die Beziehungen innerhalb der Firma sollte auf Offenheit und Vertrauen basieren. Jeder sollte sich konstruktiv zu Wort melden und insbesondere etwaige Probleme ansprechen dürfen.

Treten Konflikte oder Unstimmigkeiten auf ist es wichtig, diese offen und sachliche anzusprechen und konstruktiv nach Lösungen zu suchen.
Ein respektvoller und kollegialer Umgang miteinander sind eine Grundvoraussetzung für ein gesundes Betriebsklima. Dies gilt nicht obwohl, sondern gerade, weil man sich seine Kollegen nicht selbst aussuchen kann. Seinen Unmut über Floskeln auszudrücken anstatt mit betroffenen Personen offen und ehrlich zu reden, schadet dem Gemeinschaftsgefühl. Ungeklärte Konflikte blockieren ein gemeinschaftliches und produktives Arbeiten.

Fehlende Transparenz

Offenheit und Transparenz sind für ein positives Betriebsklima wahnsinnig wichtig. Mitarbeiter haben ein gutes Gespür dafür, was im Unternehmen vor sich geht. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen regelmäßig Informationen vorenthalten werden, führt dies zu Gerüchten, schlechter Stimmung und untergräbt die Glaubwürdigkeit der Führungskräfte. All diese Punkte können das Betriebsklima stark schädigen.

Trotzdem gibt es immer wieder Situationen in denen Führungskräfte nicht in vollständiger Transparenz gegenüber den Mitarbeitern kommunizieren können oder wollen. Dies betrifft insbesondere Personalentscheidungen sowie anstehende strategische Entscheidungen. Es lässt sich argumentieren, dass das was die Mitarbeiter nicht wissen sie auch nicht beeinflusst. Grundsätzlich ist das richtig, es sollte jedoch berücksichtigt werden, dass sich Informationen in Ihrer Ausbreitung oft ähnlich wie Wasser verhalten, man kann versuchen Sie aufzuhalten aber irgendeinen Weg finden Sie aber immer.

Es kann z.B. vorkommen, dass Führungskräfte unter dem Mantel der Verschwiegenheit Informationen an befreundete Mitarbeiter weitergeben. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn der Kreis eingeweihter Führungskräften so groß ist, dass es schwierig ist das “Informationsleck” zu identifizieren. Von diesem Punkt an verbreiten sich die Informationen unkontrolliert weiter und die Mitarbeiter nehmen die fehlende Transparenz wahr.  

Sie sollten davon ausgehen, dass langfristig kein Geheimnis geheim bleibt, daher empfiehlt es sich von vornherein gegenüber Ihren Mitarbeiter so transparent wie zu möglich sein. Die Mitarbeiter werden Ihnen diese interne Offenheit mit einem gestärkten Zusammenhalt und einer gesteigerten Unternehmensidentifikation danken.  

Unzureichende Informationsweiterleitung

Es ist es sehr frustrierend für Mitarbeiter, wenn ihnen die für ihre Arbeit notwendige Informationen nicht zur Verfügung stehen. Noch frustrierender ist es, wenn Sie erfahren, dass die Informationen zwar im Unternehmen vorhanden sind aber schlicht nicht weitergeleitet werden. Im schlimmsten Fall entwickelt sich bei den Mitarbeitern das Gefühl, dass Ihnen Informationen bewusst vorenthalten werden.

Sorgen Sie aktiv dafür, dass notwendige Informationen so schnell wie möglich an die Kollegen weitergeleitet werden. Überlegen Sie: „Welche Informationen sind für wen wichtig?“ und geben sie diese unaufgefordert weiter. Denken Sie dabei auch an neue Kollegen und an Mitarbeiter/innen aus anderen Abteilungen.

Unklare Anforderungen und Erwartungshaltungen

Fehlende oder unklar formulierte Anforderungen und Erwartungshaltungen sind ebenfalls eine Folge unzureichender Kommunikation. Werden Aufgaben, Problemstellungen und Zielsetzungen durch Führungskräfte nur unzureichend konkretisiert ist es für die Mitarbeiter fast unmöglich die (unausgesprochene) Erwartungshaltung Ihrer Vorgesetzten zu befriedigen. Dies kann sehr schnell zu ausgeprägter Frustration bei allen Beteiligten führen. Tritt dies regelmäßig auf schlägt die Frustration sehr schnell auf das Betriebsklima durch.

Organisatorische Mängel

Wenn folgende Kriterien in Ihrem Unternehmen gegeben sind, fühlen sich die Mitarbeiter ihres Unternehmens in der Regel wohl und gehen gerne ihrer Arbeit nach:

  • Im Betrieb herrscht eine angenehme, gelassene Stimmung
  • Die Kommunikation untereinander ist offen und eindeutig
  • Die Mitarbeiter treten einander mit Wertschätzung und Anerkennung entgegen
  • Das Miteinander ist geprägt von Toleranz und Hilfsbereitschaft

Folgende Kriterien lassen auf ein sich verschlechterndes Betriebsklima schließen:

  • Zunehmend unsolidarisches Verhalten
  • Nachlassendes Engagement und zunehmende Gleichgültigkeit der Mitarbeiter
  • Rückläufige Kommunikation und soziale Interaktion der Mitarbeiter
  • Zunehmende Grüppchenbildung innerhalb der Belegschaft
  • Zunehmende Verunsicherung und Angst unter den Mitarbeitern

Sobald sich Ihre Mitarbeiter unwohl fühlen, sinken die Lust und Freude an der Arbeit. Dies führt zu nachlassender Motivation, zunehmender emotionalen Distanzierung und kann eine “inneren Kündigung”, einen zunehmenden Krankenstand und einer zunehmenden Mitarbeiterfluktuation zur Folge haben. Ein solcher Trend schlägt zwangsläufig auf das wirtschaftliche Ergebnis durch: Die Produktivität der Mitarbeiter nimmt ab, die Anzahl der Produktionsfehler steigt, der Umsatz geht zurück und die Innovationskraft des Unternehmens sinkt.

Um Sie bei der Beurteilung des Betriebsklimas zu unterstützen, stellen wir Ihnen hier einen Fragebogen für Ihre Mitarbeiter zum Download zur Verfügung. Der Fragebogen sollte anonym durch Ihre Mitarbeiter ausgefüllt werden. Der Fragebogen beinhaltet neben dem Fragenkatalog auch einen Abschnitt für eventuelle Anregungen, Wünsche und Kritik ihrer Mitarbeiter. Nach der Auswertung des Fragebogens sollten, falls notwendig, Maßnahmen zur Verbesserung des Betriebsklimas eingeleitet werden.

Positives Betriebsklima fördern

Um ein positives Betriebsklima zu fördern ist es notwendig die Ursachen für schlechtes Betriebsklima abzustellen. Darüber hinaus lässt sich ein positives Betriebsklima mit wenigen Mitteln leicht fördern:

“Seid jetzt nett zueinander” reicht nicht aus

Betriebsinterne Spannung lassen sich nicht immer vermeiden. Häufig lassen diese sich nicht durch einfache Floskeln aus der Welt schaffen. Konstruktiv miteinander umzugehen und Kompromisse zu finden, die von allen Beteiligten akzeptiert werden, kann anstrengend sein. Diese Mühe sollten Sie aber auf sich nehmen, langfristig zahlt sich das immer aus. Der Dialog über das Betriebsklima und mögliche Missstände können bereits einen positiven Effekt auf das Betriebsklima haben. An dieser Stelle gibt es aber kein Patentrezept.

Kommunikation unter Mitarbeitern fördern

Um das Betriebsklima zu verbessern, sollte auch die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern gefördert werden, die sonst weniger Berührungspunkte haben. Dies fördert die soziale Interaktion sowie Integration und trägt dazu bei eventuelle Vorurteile abzubauen. Dazu sollten gezielt Möglichkeiten geschaffen werden. Dabei kann es sich um abteilungsübergreifende Meetings oder gemeinsam verbrachte Mittagspausen handeln. Um das Betriebsklima zu fördern ist anfangs zweitrangig, ob da fachliche oder private Inhalte besprochen werden.
Sobald die soziale Integration unterschiedlicher Unternehmensbereiche weit genug fortgeschritten ist wird auch der fachliche Austausch dieser Bereiche zunehmen.

Gemeinsame Erfolgserlebnisse schaffen

Nichts bringt Menschen näher zusammen und fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl stärker als gemeinsame Erfolgserlebnisse. Schaffen Sie gezielt die Möglichkeit für gemeinsame Erfolgserlebnisse und stellen Sie dies heraus. Teamarbeit und gegenseitige Unterstützung sind wichtige Säulen für ein gesundes Betriebsklima. Sie stärken gegenseitiges Vertrauen und vermitteln den Mitarbeitern das Gefühl Teil einer Gemeinschaft zu sein. Es kann auch helfen die Mitarbeiter aufzufordern, den Kollegen öfter mal unter die Arme greifen, wenn man merkt, dass jemand anderes gerade besonders gestresst ist.

Äußern Sie ihre Wertschätzung durch Lob…

Ebenso wichtig für das Betriebsklima ist Wertschätzung. Dies gilt nicht nur für Führungskräfte gegenüber den Mitarbeitern, sondern auch für die Mitarbeiter untereinander. Schätzen Sie einander Wert, ob durch ein angemessenes Lob, eine anerkennende Rückmeldung oder eine nette E-Mail. Bieten Sie jedem die Anerkennung die er verdient. Um nicht aufdringlich zu wirken können Formulierungen wählen, die offen und freundlich ihre Meinung wiederspiegeln.
Zum Beispiel:
• „Es freut mich, dass wir Kollegen sind.“
• „Danke, dass Sie mir gestern den Rücken freigehalten haben.“
• „Die Art, wie Sie Ihre Arbeit strukturieren, kommt mir sehr entgegen.“
• „Es hat mich sehr beeindruckt, wie Sie dieses schwierige Projekt abgewickelt haben.“

…und konstruktives Feedback

Unangemessen vorgetragene Kritik kann schnell in einen Konflikt übergehen. Kritik ist jedoch essentiell für Unternehmen und der Schlüssel für Verbesserungen. Wichtig ist es dabei ausschließlich konstruktiv zu sein.

Hierzu ein paar Denkanstöße:

  1. Was wollen Sie mit der Kritik bewirken? Welche Veränderungen soll das Feedback auslösen?
  2. Halten Sie sich mit verletzenden Aussagen zurück. Konzentrieren Sie sich bei der Kritik auf das Verhalten, nicht auf die Person als solche.
  3. Finden Sie den geeigneten Zeitpunkt. Wenn die Stimmung emotional aufgeladen ist, sollten Sie lieber noch abwarten, bis sich die Situation abgekühlt hat. Grundsätzlich sollte Feedback aber zeitnah erfolgen.
  4. Suchen Sie gemeinsam eine Lösung anstatt in der Vergangenheit zu leben und immer wieder vergangene Fehler zu thematisieren.

Geben Sie ihrem Gegenüber die Möglichkeit, sich in einem offenen Dialog argumentativ zu wehren. Formulieren Sie offene Fragen, die nach der Meinung des Gegenübers fragen.

Gehen Sie mit gutem Beispiel voran

Sein Sie ein Vorbild für Ihre Kollegen und Mitarbeiter. Wenn Sie mehr Offenheit und Toleranz von ihren Mitmenschen wünschen, dann leben Sie das vor. Das was Sie sich von ihren Kollegen wünschen, müssen Sie bereit sein zu geben.

Ein positives Betriebsklima trägt nicht nur dazu bei, dass sich die Mitarbeiter in einem Unternehmen wohl fühlen. Es wirkt sich auch auf den Erfolg ihres Unternehmens aus. Zufriedene Mitarbeiter sind seltener krank und unterstützen das Unternehmen gerne mit ihrer produktiven Arbeitskraft. Aufgrund der Wechselwirkung kann sich der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens ebenfalls positiv auf das Betriebsklima auswirken. Er vermittelt den Mitarbeitern Sicherheit und Belohnung für geleistete Arbeit.

Nutzen Sie den von uns zur Verfügung gestellten Fragebogen, um zu ermitteln, wie es um das Betriebsklima in Ihrem Unternehmen bestellt ist.

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