Excellence als Ziel mit dem EFQM-Modell

Neben ISO 9001, dem wahrscheinlich bekanntesten Qualitätsmanagementsystem, gibt es noch weitere Ansätze das Qualitätsmanagement zu gestalten. In diesem Beitrag stellen wir Ihnen das EFQM-Excellence Modell vor, ein Konzept des Total-Quality-Managements (TQM). Bei TQM handelt es sich um ein umfassendes, allgegenwärtiges Qualitätsmanagement. Qualität wird nicht als Ziel gesehen, sondern als ewiger Prozess, der sich am Kunden orientiert und aktives Handeln aller Mitarbeiter voraussetzt.

Entwickelt wurde das Excellence-Modell von der EFQM (European Foundation for Quality Management). Die gemeinnützige Organisation wurde von vierzehn Unternehmen gegründet, darunter auch Nestlé, Bosch und Philips. Das EFQM Excellence-Modell ist in schätzungsweise 50.000 Unternehmen, mehr oder weniger stark etabliert.
Auf Grundlage von Selbstbewertungen, soll eine stetige Verbesserung des Unternehmens angestrebt werden – bis zur Excellence. Die EFQM vergibt jedes Jahr den EFQM Excellence Award.

Aufbau des Excellence-Modells

Das einfache Excellence-Modell basiert auf drei Säulen des Total Quality Managements, den Menschen, Prozessen und Ergebnissen. Man geht davon aus, dass man zu den besten Ergebnissen kommt, wenn alle Mitarbeiter (Menschen) in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess eingebunden werden. Auf dieser Grundlage baut das erweiterte Modell auf.

Dies ist folgendermaßen strukturiert: Es gibt neun Kriterien, bestehend aus fünf Voraussetzungen und vier Ergebniskriterien, welche sich in insgesamt 32 Teilkriterien unterteilen lassen. Diese beinhalten unter anderem Angaben, über das Verständnis der eigenen Leistungen, Nachhaltigkeit und Mitarbeitervergütung. Die Bewertung nehmen die Unternehmen selbst vor, die Gesamtpunktzahl liegt bei 1000 Punkten. Dabei werden die beiden Blöcke identisch gewichtet, es ist also genau so wichtig, welche Ergebnisse das Unternehmen erzielen kann und wie es dabei vorgeht.

Die fünf Voraussetzungen lauten wie folgt:

  1. Führung
  2. Strategie
  3. Mitarbeiter
  4. Partnerschaften und Ressourcen
  5. Prozesse, Produkte und Dienstleistungen

Die Ergebniskriterien sind folgende:

  1. Kundenbezogene Ergebnisse
  2. Mitarbeiterbezogene Ergebnisse
  3. Geschäftsbezogene Ergebnisse
  4. Schlüsselereignisse

Die genaue Auflistung der Kriterien und die Punktevergabe haben wir für Sie zusammengefasst. Zum herunterladen, klicken Sie bitte auf den folgenden Button.

Grundprinzipien

Das Modell basiert auf verschiedenen Grundprinzipien, diese wurden im Jahr 2003 formuliert. Um die Dynamik des Modells aufrechterhalten zu können, behält sich die EFQM vor, das Modell stetig weiterzuentwickeln. So wurde das Modell, im Jahr 2010 umstrukturiert und die Grundprinzipien überarbeitet. Sie können diese, der folgenden Abbildung entnehmen.

Ausgewogene Ergebnisse
Erfüllung der Kurz- und langfristigen Erwartungen und Bedürfnisse der Stakeholder

Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft übernehmen
Hohe Verhaltensstandards, aufrichtige Werte und das Ziel, wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltig zu handeln

Partnerschaften aufbauen
Bildung verlässlicher Partnerschaften, die wechselseitigen Erfolg generieren

Innovation und Kreativität fördern
Einführung systematischer Neuerungen auf Grundlage des Ideenreichtums von Stakeholdern

Nutzen für den Kunden schaffen
Bedürfnisse und Erwartungen der Kunden erkennen und erfüllen

Mit Vision, Inspiration und Integrität führen
Führungskräfte stehen für ihre Visionen und Werte ein

Mit Prozessen managen
Entwicklung von zielführenden, auf Fakten beruhenden Geschäftsprozessen, um die Unternehmensstrategie zu lenken und unterstützen. Die Planung und Gestaltung der Prozesse sollten u.a. zum Ziel haben, Risiken zu erkennen, Kosten zu reduzieren und Qualität zu erhöhen.

Durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgreich sein
Etablierung einer Verantwortungskultur, die zur Zielerreichung beiträgt

Durchführung

Ein elementarer Aspekt des EFQM-Modells ist die Selbstbewertung. Dieser Prozess soll den Unternehmen dazu dienen, eine kritische Analyse innerhalb der eigenen Organisation durchzuführen. Auf Grundlage dieser Bewertung, können anschließend Strategien zur Qualitätssteigerung entwickelt werden.

Reifegrad im EFQM Excellence Modell

Im Gegensatz zu den gängigen Qualitätsmanagementsystemen wird beim EFQM-Excellence Modell der Reifegrad eines Unternehmens festgelegt. Anhand der abgebildeten Tabelle können die Organisationen eine Selbsteinschätzung vornehmen. In der ersten Spalte sind die Grundkonzepte des Reifegradmodells abgebildet, in den folgenden Spalten befinden sich die drei Reifegrade.

Auszeichnungen

Auf Grundlage der Selbstbewertung können Unternehmen verschiedene Auszeichnungen erwerben:

Committed to Excellence

Um diese Auszeichnung zu erhalten, muss das Unternehmen zusätzlich zur Selbstbewertung, Verbesserungspotenziale priorisieren und drei Verbesserungsprojekte erfolgreich umsetzen. Anschließend wird von einem EFQM-Prüfer, auch Validator genannt, besucht und bekommt ein zwei Jahre gültiges Zertifikat. Die Kosten belaufen sich auf bis zu 6000 €.

Recognized for Excellence

Um diese Auszeichnung zu erhalten, muss das Unternehmen eine detaillierte Selbstbewertung durchführen und an einem Workshop oder einer Datenerhebung teilnehmen. Diese Auszeichnung kostet je nach Unternehmensgröße, ab 11.000€.

Für wen eignet sich das Modell?

Grundsätzlich könnte man annehmen, dass sich ein solches Konzept in KMUs leichter etablieren könnte, als in größeren Unternehmen. Jedoch hängt die Unternehmensgröße nicht zwingend mit dem Engagement zusammen, welches das Unternehmen bei Einführung des Konzepts mobilisiert. Das Modell stellt im Vergleich zu anderen Modellen, wie der ISO 9001:2015, wenig Anforderungen an die Unternehmen, sondern lässt Raum um herauszufinden, welche Verfahren für das Unternehmen funktionieren. Das System ist insofern etwas flexibler als die klassische ISO 9001. Dafür erfordert das EFQM-Excellence Modell mehr Selbstdisziplin bei der Identifikation und der Bewertung der relevanten Verfahren und Prozess. Die Kosten, die mit den verschiedenen Auszeichnungen einhergehen, sind abgestuft und orientieren sich ebenfalls an der Unternehmensgröße. Das Excellence-Modell könne in jedem Fall Unternehmen empfohlen werden, die bereits ein QMS in ihrem Unternehmen etablieren konnten und nun Perfektion anstreben.

Wie bereits erwähnt, behält sich die European Foundation for Quality Management vor, das Modell laufend zu verbessern. Dies geschah zuletzt im Jahr 2013, wobei die meisten Änderungen am Design und nicht am Inhalt vorgenommen wurden. Das Modell beinhaltet seid 2013 das Bewertungsinstrument “DIE RADAR-LOGIK” welches an den PDCA-Zyklus erinnert. 

Vor- und Nachteile des EFQM-Modells

+ Unternehmen können ihren  individuellen Weg zur Excellence bestreiten

+ Das Konzept eignet sich um ein gelebtes QMS in die Unternehmen einzuführen

+ Die Selbstbewertung könnte die Mitarbeiter dazu verleiten, gewissenhafter zu arbeiten

 +Mehr Flexibilität im Gegensatz zur ISO 9001

+ Finanzieller Aufwand ist beeinflussbar

Mit dem Modell lassen sich weniger kurzfristige Ziele erreichen, da es auf die permanente Qualitätssteigerung ausgerichtet ist

Die Objektivität der Selbstbewertung ist fraglich bzw. erfordert ein Hohes Maß an Selbstdisziplin

Es gibt keine Zertifizierung, bloß verschiedene Auszeichnungen

Großes Engagement auf allen Ebenen des Unternehmens ist (zwingend) erforderlich


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