Ist es wichtig, ob man Manager oder Leader ist?

Personalführung ist eine der wichtigsten Aufgaben im Unternehmen. Die Mitarbeiter sollen zielorientiert in die Aufgaben des Unternehmens eingebunden, motiviert und geführt werden. Wie dies am besten geschehen soll, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten und dementsprechend viele Diskussionen. Häufig wird dabei zwischen Managern und Leadern unterschieden. Wir gehen heute der Manager vs. Leader Debatte auf den Grund. 

Manager vs. Leader – Wo liegt der Unterschied?

Den Ursprung der Debatte, auf die wir uns beziehen, festzumachen ist schwierig. Auf das Thema aufmerksam geworden sind wir durch den britischen Autor und Redner Simon Sinek, der dafür plädiert klassische Manager durch Leader zu ersetzen. Er vertritt die Ansicht, dass sich diese beiden Rollen grundsätzlich voneinander unterscheiden. Es gibt zahlreiche Blogartikel und Tedtalks und Erklärvideos von anderen Autoren bzw. Rednern, die diese These stützen, dabei verwenden einige Autoren den Begriff Boss, andere den Begriff Manager. Wir konzentrieren uns heute auf die Manager vs. Leader Debatte. Um diese Aussage zu untersuchen, vergleichen wir die beiden Positionen, klären vorher noch die Frage: Worin unterscheiden sich Manager und Leader eigentlich? 

Geschichte des Managements

In der Wirtschaft ist der Manager eine Führungskraft, also Vorgesetzte mit Personalleitungsfunktion. Der Begriff Manager ist allerdings etwas ungenau, besonders weil der Begriff in Deutschland immer häufiger für Menschen ohne Personalverantwortung gebraucht wird, siehe Facility Manager (Hausmeister), Sales Manager (Verkäufer), Tax Manager (Steuerberater). 

Dr. Peter Haric beschäftigt sich im Gabler Wirtschaftslexikon mit der Problematik des Managementbegriffs: 

Es gibt in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften eine Vielzahl von Definitionen, aber keine universelle Definition des Begriffs Management, weil – je nach Forschungsperspektive – ein unterschiedlicher Forschungsgegenstand und unterschiedliches Erkenntnisinteresse vorliegen.” 

Zunächst sollte man zwischen dem Management als Institution und dem Management als leitende Tätigkeit differenzieren. 

Laut Dr. Peter Haric, habe es bereits in der Antike, Abhandlungen über ökonomisches Handeln gegeben. “Doch erst die Handelswirtschaft und die Entstehung von Handelsgesellschaften im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit führten zu den ersten Werken einer systematischen, entscheidungsorientierten und zweckrationalen Betriebsführungslehre.

Im Zuge der Industrialisierung und mit der Gründung von Aktiengesellschaften, die immer häufiger von angestellten Managern geführt wurden, habe sich das Management wie wir es heute kennen, entwickelt. Dies ermöglichte die Entstehung von Methoden, mit denen man eine wachsende Anzahl von Arbeitskräften in Unternehmen  integrieren kann. 

Managementaufgaben

Um das Management als Funktion zu erläutern, führt Dr. Haric den Managementzyklus an. Dieser umfasse die Steuerung von Kernprozessen in Unternehmen. “Danach zählen (1) Analyse, (2) Zielsetzung (3) Planung, (4) Entscheidung, (5) Organisation, (6) Delegation, (7) Koordination, (8) Mitarbeiterführung und (9) Kontrolle zu den Aufgaben des Managements.” 

Je nach Unternehmensgröße und Unternehmensphilosophie kann es zu hierarchischen Unterschieden der Managementaufgaben kommen. 

So beschäftige sich das Top-Management, der Vorstand oder die Geschäftsführung, mit strategischen Entscheidungen, wozu u.a. die Koordination der Unternehmensbereiche, Festlegung der Unternehmenspolitik, Errichtung von Zweigniederlassungen gehören.

Das Middle-Management (Direktoren, Betriebsleiter, Abteilungsleiter) steuere operative Entscheidungen und verwalte organisationale Einheiten. Die Angestellten des Middle-Managements müssen einerseits die mit dem Top-Management vereinbarten Ziele erfüllen und gleichzeitig auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen.

Das Lower-Management (Meister, Team- und Betriebsleiter) sei dem Middle-Management untergeordnet, befinde sich aber ebenfalls in der Situation des doppelten Erwartungsdrucks. Das Lower-Management beschäftige sich mit den Ausführungstätigkeiten, sowie dem Fällen und Umsetzen von Routineentscheidungen von Planungs-, Organisations-, Steuerungs- und Führungsaufgaben.

Folgendes lässt sich also festhalten: Durch die unterschiedlichen Forschungsgegenstände und unterschiedliche Erkenntnisinteressen, gibt keine einheitliche Definition des Begriffs Management. Das Management, wie wir es heute kennen wurde maßgeblich von der Industrialisierung geprägt. Zu den Aufgaben des Managements zählen unter anderem: Planung, Organisation, Analyse, Koordination, Mitarbeiterführung und Kontrolle. 

Leadership

Im amerikanischen Sprachraum differenziert man zwischen dem Manager und dem Leader, so auch Simon Sinek und etliche andere. Mit den Jahren ist Leadership ein Buzzword geworden und wird in dem Kontext der Unternehmensführung wird dieser Begriff immer häufiger auch in Deutschland verwendet, da deutsche Übersetzungen historisch bedingt oft nur begrenzt geeignet sind. 

Leider kann man sich bei dem Begriff Leadership auf keine universelle Definition stützen. 

Prof. Dr. Jan Lies, Professor für BWL an der FOM, Hochschule für Ökonomie und Management in Essen definiert den Begriff wie folgt: 

Leadership (Führung) bezeichnet nicht einheitlich definiert die menschen-, verhaltens-, eigenschafts-, interaktions- und/oder motivationsorientierten Aufgaben des Managements.

Des Weiteren erläutert Prof. Dr. Lies, “während Management in der Tradition der Betriebswirtschaft vor allem analytische Fähigkeiten zur Planung von Organisation, Struktur, Prozessen und Kapazitäten erfordert, machen krisenhafte Situationen und Phasen des tief greifenden Wandels besonders deutlich, dass nicht nur die Herleitung, sondern vor allem die Durchsetzung von Entscheidungen eine zentrale Managementherausforderung sein kann. Entsprechend beinhaltet Leadership einerseits Eigenschaften (z.B. Charisma, Persönlichkeit, Sympathie) und andererseits Fähigkeiten (z.B. Motivationsfähigkeit, Rhetorik, Überzeugungskraft), die in eine interaktionsbezogene und verhaltensbeeinflussende Managementkompetenz als zentrale Charakteristika von Leadership münden.” 

In dem Text von Prof. Dr. Lies wird auch J.P. Kotter erwähnt. Dieser ist Professor für Führungsmanagement an der Harvard Business School und habe laut Lies die Leadership Debatte in den 1980er Jahren maßgeblich beeinflusst. Kotter legt den Begriff Leadership in diesem Artikel wie folgt aus: “Leadership is about vision, about people buying in, about empowerment and, most of all, about producing useful change.

Zu Deutsch: “Bei der Führung geht es um Visionen, um Menschen, die kooperieren, um Befähigung und vor allem darum, nützliche Veränderungen herbeizuführen.” 

(Anmerkung, die Definition von buy-in ist laut dem Merriam-Webster Dictionary die Akzeptanz und Bereitschaft etwas aktiv zu unterstützen und daran teilzunehmen. Im Wörterbuch PONS wird der Begriff schlicht mit Kooperation oder Akzeptanz übersetzt.)

In ihrem Artikel The Role of the Situation in Leadership haben der kanadische Wirtschaftspsychologe Victor H. Vroom und sein Co-Autor Arthur G. Jago das Problem des Begriffs Leadership an seiner fehlenden Wissenschaftlichkeit festgemacht. 

One of the problems stems from the fact that the term leadership, despite its popularity, is not a scientific term with a formal, standardized definition.

Zu Deutsch: “Eines der Probleme ergibt sich aus der Tatsache, dass der Begriff Leader trotz seiner Popularität kein wissenschaftlicher Begriff mit einer formalen, standardisierten Definition ist”.

Anhand dieser Definitionen lässt sich Folgendes festhalten: 

Der Begriff Leadership ist kein wissenschaftlicher Begriff in Zusammenhang mit der Unternehmensführung. Ein Leader zeichnet sich aber primär dadurch aus, dass er mit seiner Vision und seinen Überzeugungen Menschen beeinflusst, motiviert und befähigt Veränderung herbeizuführen. 

Gegenüberstellung oder Ansatz zur Weiterentwicklung

Kritik an der “Manager vs. Leader” – Debatte

Die Überschrift “Manager vs. Leader” finden Sie auf diversen Internetseiten. Diese Gegenüberstellung wurde sowohl von J.P. Kotter als auch von Warren Bennis geprägt. Bennis war ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Autor, der sich in seinen Werken auf das Konzept Führung konzentrierte.

“The manager has his eye on the bottom line; the leader has his eye on the horizon,” (zu Deutsch: “Der Manager hat sein Auge auf das Ergebnis gerichtet, die Führungskraft hat seinen Blick auf den Horizont gerichtet”) und “The manager does things right; the leader does the right thing.” (zu Deutsch: ”Der Manager macht die Dinge richtig; die Führungskraft macht das Richtige”) sind nur wenige Zitate, die Diskrepanz zwischen einem Leader und einem Manager deutlich machen sollen. Eine detaillierte Gegenüberstellung von Leader und Manager finden Sie auf der Wikipediaseite von Warren Bennis. 

Angelehnt an das Konzept von Warren Bennis, führen  z.B. William Arruda, ein Autor des Forbes Magazin und Simon Sinek die vermeintlichen Unterschiede zwischen Manager und Leader auf. 

William Arruda in Forbes Magazin (Auszug): 

“Leaders create a vision, managers create goals”. (Führungskräfte schaffen eine Vision, Manager schaffen Ziele)

“Leaders are unique, managers copy”. (Führungskräfte sind einzigartig, Manager kopieren)

“Leaders create fans, managers have employees”. (Führungskräfte schaffen Fans, Manager haben Mitarbeiter)

Arruda nennt Warren Bennis nicht als Quelle, die Ähnlichkeit zu Warren Bennis, ist jedoch nicht zu übersehen. Wie Arruda an seine Erkenntnisse gelangt ist, erläutert er nicht. 

Simon Sinek erläutert in diesem Video den vermeintlichen Unterschied zwischen einem Manager und einem Leader: 

“Management ist die Manipulation anderer zum persönlichen Vorteil, niemand will morgens aufwachen und gemanagt werden. Wir wollen aufwachen und geführt werden. […] Führung ist die großartige Verantwortung, die Menschen um uns herum aufsteigen zu sehen. Es ist viel schwieriger als Management, und es erfordert viel mehr Arbeit, viel mehr lernen”.

Im Original: “Management is the manipulation of others for personal gain, nobody wants to wake up in the morning and be managed. We want to wake up and be led. […] Leadership is the awesome responsibility to see those around us rise. It’s much harder than management and it takes a lot more work, a lot more studying.”

Das Problem an solchen Vergleichen ist, die Behauptung ein Manager sei schlechter als ein Leader. Simon Sinek sagt es nicht wörtlich, aber suggeriert es in dem zitierten und in weiteren Videos. Simon Sinek ist für diese Ansichten bekannt, sein Video mit dem Titel: “How Leaders inspire action” ist mit über 2000 Kommentaren und rund 48 760 000 Aufrufen eins, der bekanntesten TedTalk Videos. 

Anders als Warren Bennis, der seine Ansichten mit Feldforschungen zu belegen versuchte, scheint sich Sinek nur auf seine eigenen Standpunkte aufzubauen und sich auf historische Figuren zu beziehen, von denen er behauptet, Sie hätten seinen Ansatz geteilt. Aufbauend auf diesem wenig wissenschaftlichen Ansatz, hat Simon Sinek fünf Bücher verfasst, ist ein sogenannter “motivational speaker”, bietet Workshops an und ist als Berater für mehrere Bereiche des US-Militärs tätig. Bei all der Kritik, muss man einräumen, dass er seine Idee gut vermarktet hat. 

  1. Manager und Leader lassen sich nicht klar voneinander abgrenzen, da Manager ebenfalls führen und Leader auch managen müssen und sich die Aufgabenbereiche überschneiden. 
  2. Für den Begriff Leader gibt es keine einheitliche, wissenschaftliche Definition.  
  3. Führung ist ein multifaktorielles Geschehen, dem unterschiedliche Führungsmethoden und Stile innewohnen und welches von diversen äußeren und inneren Einflüssen geprägt ist. Die Messbarkeit des Führungserfolgs ist problematisch und die Übertragung der gesamten Verantwortlichkeit auf die Führungsperson (den Leader) nur bedingt bzw. nicht möglich. 

Was halten Sie von der Debatte? Gehen Sie mit den Ansichten von J.P. Kotter, Warren Bennis und Simon Sinek d’accord? Muss hier überhaupt differenziert werden oder sollte ein solches Schubladendenken und Kategorisieren aufgebrochen werden und sich mehr auf Führungsstrategien und Motivation konzentriert werden, ganz gleich welche Rolle eingenommen wird? Teilen Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren mit. 

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