Selfowned Company – Wie lukrativ ist Selbstbestimmung?

Wie viel Selbstbestimmung verträgt ein Unternehmen? Für viele klingt es nach Anarchie und Kommunismus – für andere ist es eine Zukunftsvision. Von der Selbstbestimmung über Gehalt und Urlaubstage bis zur Selfowned Company, in der es keinen Chef mehr gibt und das Kollektiv entscheidet. Was für einige waghalsig erscheint, ist für manche Unternehmen real geworden und sie scheinen sehr zufrieden mit dieser Entscheidung zu sein. Aber wie viel Autonomie verträgt ein Unternehmen? Wir haben uns drei Unternehmen angeschaut, um diese Frage zu beantworten. 

CPP Studios – die Basisdemokratie

Die Offenbacher Filmproduktion entlohnt alle Mitarbeiter gleich, das Alter spielt keine Rolle.

Hierarchie wird in diesem Unternehmen abgelehnt, der Geschäftsführer verdiene nur wegen Haftungsangelegenheiten etwas mehr. Gleichzeitig herrscht die volle Transparenz, das Unternehmen gewährt jedem Mitarbeiter Einblick in die Finanzen. Über Investitionen, Bonizahlungen und Einstellungen wird im Kollektiv entschieden. Jeder Mitarbeiter hat ein Veto-Recht und bekommt 15 Gehälter, festgelegte Arbeitszeiten und Urlaubstage gibt es nicht. Die Mitarbeiter können arbeiten, wann sie möchten. Wie kann das funktionieren? Das Ergebnis ist, dass die Mitarbeiter mehr arbeiten, als Sie müssten, freiwillig, so die Aussage des Geschäftsführers gegenüber op-online.de.

Laut dem Geschäftsführer seien die Mitarbeiter durch die Einführung der Basisdemokratie motivierter, würden kreativer arbeiten und seien stärker an das Unternehmen gebunden. In dem Interview mit op-online.de spricht der davon, dass er nie Unternehmer werden wollte und empfindet die Entwicklung seit Einführung des Konzepts als sehr positiv.

Heitkamp & Hülscher – die Mitarbeiterunternehmer

Das H-Team, wie die Heitkamp & Hülscher ihre Mitarbeiter nennt hat eine besondere Unternehmenskultur. Das Bauunternehmen aus NRW beteiligt jeden Mitarbeiter am Unternehmenserfolg und bietet sichere Arbeitsplätze. Im Jahr 2006 hat Heitkamp und Hülscher mit der H&H Team GmbH & Co. KG ein Mitarbeiterunternehmen geschaffen, an dem die Mitarbeiter beteiligt sind. Nach drei Jahren haben die Mitarbeiter, die Möglichkeit Mitunternehmer zu werden. Die Unternehmensanteile kosten bis zu 5.000 €, mit einer jährlichen Rendite von 70 bis 80 %. Für das Unternehmen bedeutet diese Gewinnbeteiligung eine höhere Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen. Dadurch entsteht ein größeres Verantwortungsgefühl für die Arbeitsgeräte. Laut dem E-Book “Anreizsysteme für Leadership-Organisationen” von Stefan Kerzel seien die Reparaturkosten gesunken und die Maschinen hätten eine längere Laufzeit. Die Unternehmensanteile sind für die Mitarbeiter eine Altersvorsorge und für das Unternehmen die Möglichkeit unabhängiger zu wirtschaften. Eine Win-Win-Situation für alle. Das Unternehmen wurde dafür bereits, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 

einhorn – Die Firma ohne Chef

Das wohl drastischste Beispiel zeigt die einhorn products GmbH. Das Berliner Start-Up lässt Kondome und Menstruationshygieneprodukte fair produzieren und verkauft Sie sowohl im Onlineshop oder in Drogeriemärkten. Gegründet wurde die Firma im Jahr 2015 von Philip Siefer und Waldemar Zeiler. Doch mittlerweile gibt es keinen Chef mehr. Die Firma gehört nicht mehr den Gründern, sondern sich selbst und zu einem kleinen Anteil der Schweizer Purpose Stiftung. Die Mitarbeiter entscheiden, ob Sie arbeiten kommen, welche Entscheidungen getroffen werden etc. Das Gehalt wird vom Gehaltsrat verwaltet und folgendermaßen gestaffelt: Jeder Vollzeitbeschäftigte bekommt 2.500 € brutto, für jedes Kind gibt es 400 € netto mehr. Dazu kommen Zuschläge für die persönlichen Lebensumstände, Hintergrund & Perspektive (Berufserfahrung, Ausbildung, jährliche Steigerung) und die Selbsteinschätzung. Dabei ist zu beachten, dass das höchste Gehalt maximal dreimal so hoch ist, wie das niedrigste. Alle Gehälter sind für jeden Mitarbeiter einsehbar. Der Umsatz wird reinvestiert, die Gründer ziehen keinen Gewinn aus der Firma. Zusätzlich bietet einhorn Consulting für andere Unternehmen an, lässt Ihre Mitarbeiter Vorträge halten und gewinnt nebenbei noch Preise

Wie können diese Unternehmen erfolgreich sein?

Im ersten Moment kommen Zweifel auf, wie wirtschaftlich erfolgreich diese Unternehmen sein können. Jeder bekommt ein (annähernd) gleiches Gehalt, entscheidet, wie viel Zeit er im Betrieb verbringen möchte, in dem es keine oder sehr flache Hierarchien gibt. Doch der Erfolg scheint ihnen recht zu geben und so neu ist dieses Konzept ebenfalls nicht. Es wurde schon im letzten Jahrhundert umgesetzt. 

Robert Bosch ließ in seinem Testament festlegen wie das Unternehmen nach seinem Tod weitergeführt werden solle. Dauerhafte unternehmerische Selbstständigkeit und die Verwendung der Dividende zum Gemeinwohl gehörten zum letzten Willen des Unternehmers. Dies erfolgte ab 1964 durch die gemeinnützige Vermögensverwaltung Bosch GmbH, die 92 % des Stammkapitals der Robert Bosch GmbH besitzt. Ähnlich ist es bei der Carl-Zeiss-Stiftung, diese ist alleinige Eigentümerin der Carl-Zeiss AG und der Schott AG. Sie ist die älteste private wissenschaftsfördernde Stiftung Deutschlands und ist für die wirtschaftliche Sicherung und verantwortungsvolle Führung der Stiftungsunternehmen zuständig. 

In Bezug auf den Unternehmenserfolg lässt sich die Umstellung zur Selfowned Company bei der einhorn GmbH noch nicht genau beurteilen, da die Gründer erst Ende 2018 die Unternehmensanteile verschenkt haben. Die H&H Team GmbH & Co. KG kann bereits Erfolge in Bezug auf die Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen verzeichnen. So sei die Motivation der Mitarbeiter deutlich gestiegen, die Bindung an das Unternehmen gestärkt und Reparaturkosten gesunken. Die Mitarbeiter seien direkt am Erfolg beteiligt und arbeiten selbstverantwortlich, das gibt der Firma die Möglichkeit nachhaltig zu wachsen. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels zeichnet sich dies als klarer Vorteil aus.

Brave New Work

Die Zukunft der Unternehmen zu sichern ist in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung eine komplizierte Aufgabe. Der globale Markt ist dynamisch und hat eine immense Macht auf Unternehmen. Kann da ein Top-down Management mit steilen Hierarchien bestehen oder sind die revolutionären Startups am Ende doch die Gewinner? 

Sie interessieren sich für das Thema New Work? Hier finden Sie weitere Informationen zu dem Thema. 

Wie stehen Sie zur Selbstbestimmung in Unternehmen? Finden Sie es sinnvoll, dass Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten und Gehalt selbst festlegen können oder halten Sie an den traditionellen Konzepten fest? Nutzen Sie die Kommentarfunktion und lassen Sie es uns wissen. 

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